28.8.06

Alles hat ein Homonym, nur das Ende hat drei

Als ich einmal in der Mensa saß und mich am DELIKATESSEN labte, wurde ich auf ein Flugblatt aufmerksam, das dort auf dem Tisch lag. Zuerst war ich verwundert, warum jemand ernsthaft das Ende des Radfahrens propagieren sollte, aber dann wurde mir der wahre Sinn der Kampfschrift deutlich: „RADFAHRENDE, ihr habt nichts zu verlieren außer eurer Ketten!“

Bei genauerem Hinsehen erweist sich das Partizip Präsens als wahre Fundgrube für neue Homonyme, denn dieses endet im Deutschen stets auf „end“. Hat man dieses Partizip von einem beliebigen Verb gebildet, braucht man sich nur noch die passende Person vorzustellen, und schon hat man ein neues Homonym erschaffen: Aus „laufen“ wird so der/die/das LAUFENDE, aus „singen“ der/die/das SINGENDE und aus „schlafen“ der/die/das SCHLAFENDE. In vielen Diskos kann man deshalb jede Menge ROCKENDE zu Gesicht bekommen, obwohl das ROCKENDE noch lange nicht naht (außer vielleicht beim Minirock). Und so mancher Waidmann hat nur deshalb einen kapitalen ACHTENDER erlegt, weil er ein besonders aufmerksamer Jäger - also ein ACHTENDER Jäger – ist.

Schließlich haben wir dem Partizip auch zwei der sehr seltenen Dreifach-Homonyme zu verdanken: WACHSENDER und LEGENDE. Während ihr jetzt versucht, hinter die jeweils drei verschiedenen Aussprachemöglichkeiten und Bedeutungen zu kommen, höre ich schnell auf zu schreiben – es ist also SCHREIBENDE.

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